Lipödem Ursachen und Behandlung: Ab wann sollte man zum Arzt?

Lipödem: Ursachen, Symptome und Behandlung - wann zum Arzt?

Redaktion, 07. NOVEMBER 2024 | AKTUALISIERT AM 13. MAI 2026

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„Nicht dick, sondern krank" – dieser Satz trifft das Lipödem auf den Punkt. Trotzdem dauert es bei vielen Betroffenen Jahre, bis eine richtige Diagnose gestellt wird. Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und mit erheblichen Schmerzen, Schwellungen und psychischer Belastung einhergeht. In diesem Artikel erklären wir, wie ein Lipödem entsteht, woran man es erkennt, was man selbst tun kann – und ab wann unbedingt ein Arzt aufgesucht werden sollte.

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Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Erkrankung des Fettgewebes, bei der sich Fettzellen krankhaft vermehren und symmetrisch an bestimmten Körperstellen – vor allem Hüften, Oberschenkeln, Gesäß und teils auch Armen – ablagern.

Charakteristisch ist das auffällige Missverhältnis: schlanker Oberkörper, voluminöse Beine oder Arme, die sich weder durch Diät noch durch Sport beeinflussen lassen. Betroffen sind laut aktuellen Schätzungen rund 3,8 Millionen Frauen in Deutschland – die tatsächliche Zahl liegt vermutlich deutlich höher, da das Lipödem häufig nicht erkannt oder mit Übergewicht verwechselt wird. Männer sind in sehr seltenen Fällen betroffen, meist in Verbindung mit Hormonstörungen.

Das Lipödem ist keine Frage des Lebensstils oder der Disziplin. Es ist eine Erkrankung – mit klaren körperlichen Ursachen, die eine spezifische Behandlung erfordert.

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Welche Stadien gibt es?

Das Lipödem wird in vier Stadien eingeteilt, die den Grad der Gewebeveränderung beschreiben:

Stadium 1: Glatte Hautoberfläche, feinknotige Fettstruktur, Verdickung des Unterhautfetts. Schmerzen bereits möglich, äußerlich kaum sichtbar.

Stadium 2: Grobknotige Fettstruktur, unebene Hautoberfläche (ähnlich einer Matratze). Schmerzen und Druckempfindlichkeit nehmen zu.

Stadium 3: Hartes, unförmiges Gewebe mit großen Fettlappen, besonders an Oberschenkelinnenseiten und Knien. Bewegungseinschränkungen möglich.

Stadium 4 (Lipolymphödem): Zusätzlich zu den Fettansammlungen treten starke Flüssigkeitseinlagerungen auf, da das Lymphsystem überlastet wird. Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind in diesem Stadium am ausgeprägtesten.

Wichtig: Die Schwere der Symptome hängt nicht immer direkt vom Stadium ab. Manche Frauen in Stadium 1 leiden stärker als andere in Stadium 2.

Welche Symptome hat ein Lipödem?

Die Symptome eines Lipödems sind vielfältig und können in ihrer Intensität stark variieren. Typisch sind:

  • Schwere, geschwollene Beine oder Arme: Die Schwellungen entstehen durch überschüssiges Fettgewebe und Wassereinlagerungen (Ödeme). Sie sind abends und bei Wärme am stärksten ausgeprägt.

  • Schmerzen und Spannungsgefühl: Bereits leichte Berührungen oder Druck können starke Schmerzen auslösen – ein zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber normalem Übergewicht, das in der Regel nicht schmerzhaft ist.

  • Erhöhte Blutergussneigung: Die feinen Blutgefäße im Lipödemgewebe sind sehr fragil und reißen leicht, was häufige blaue Flecken verursacht.

  • Bewegungseinschränkungen: Fettansammlungen an den Oberschenkelinnenseiten können das Gehen erschweren und zu Hautirritationen durch Reibung führen.

  • Gelenkbelastung: Die veränderte Körperhaltung und Fettverteilung kann Knie- und Hüftgelenke belasten und langfristig das Risiko für Gelenkverschleiß erhöhen.

  • Psychische Belastung: Viele Betroffene leiden unter einem erheblichen Leidensdruck durch das veränderte Körperbild, Scham und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden – besonders dann, wenn die Erkrankung lange nicht erkannt wird.

Woran erkennt man ein Lipödem – und wie wird es diagnostiziert?

Es gibt bisher keine Blutuntersuchung oder Ähnliches, die ein Lipödem eindeutig nachweisen kann. Die Diagnose stützt sich auf das klinische Bild und ein ausführliches Gespräch. 

Typische Hinweiszeichen beim Arztgespräch:

  • Symmetrische Fettvermehrung an Beinen oder Armen, die auf Diäten und Sport nicht anspricht
  • Schmerzen und Druckempfindlichkeit in den betroffenen Bereichen
  • Häufige Blutergüsse ohne erkennbare Ursache
  • Familiäre Häufung (Mutter, Schwester, Großmutter betroffen)
  • Erstauftreten oder Verschlimmerung im Zusammenhang mit Hormonstörungen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre, Pille)

Körperliche Untersuchung:

  • Der Arzt tastet das Gewebe ab und achtet auf verhärtete Knoten. 
  • Charakteristisch: Das Gewebe hinterlässt beim Drücken keine bleibende Delle (anders als beim Lymphödem). 
  • Zudem empfinden Lipödem-Patientinnen oft mehr Schmerzen beim Kneifen an der Außenseite des Oberschenkels als an der Innenseite.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen:

  • Das Lipödem wird häufig mit Adipositas oder dem Lymphödem verwechselt. 
  • Ein wichtiger Unterschied: Beim Lipödem bleiben Füße und Hände ausgespart – sie schwellen nicht an. 
  • Beim Lymphödem hingegen sind oft auch Füße und Zehen betroffen (positives Stemmer-Zeichen). 
  • Ein Gewichtsverlust durch Diät verbessert beim Lipödem das Missverhältnis zwischen Oberkörper und Beinen nicht.

Welche Ursachen hat ein Lipödem?

Die genauen Ursachen des Lipödems sind bis heute nicht vollständig erforscht. Bekannt ist, dass Körpergewicht und Ernährung die Entstehung nicht direkt verursachen – sowohl schlanke als auch übergewichtige Frauen können betroffen sein.

  • Genetische Veranlagung: In vielen Fällen tritt das Lipödem familiär gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente hindeutet. Erste Hinweise aus der Forschung deuten auf Veränderungen in bestimmten Genen hin, die die Entwicklung der Fettzellen und das Lymphgefäßsystem beeinflussen.

  • Hormonelle Einflüsse: Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf und manifestiert oder verschlechtert sich häufig in hormonell bedeutsamen Lebensphasen: Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre oder nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel. Das weist auf eine starke Verbindung zwischen weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) und der Erkrankung hin.

  • Gefäß- und Lymphsystem: Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass fehlerhafte Lymphgefäße und eine erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße im Fettgewebe zur Ödembildung beitragen und das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen.

  • Obwohl das Lipödem bereits vor über 80 Jahren beschrieben wurde, mangelt es bis heute an großangelegten Studien. Die Forschung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen – dennoch bleibt die Diagnose für viele Betroffene ein langer Weg.

Ab wann sollte man mit Lipödem zum Arzt?

Die Antwort ist klar: so früh wie möglich – also sobald die typischen Anzeichen auftreten. Je früher das Lipödem erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden lindern und das Fortschreiten verlangsamen. Sofort einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • Beine oder Arme symmetrisch dicker werden – unabhängig vom Körpergewicht
  • Berührungen oder Druck in den betroffenen Bereichen schmerzhaft sind
  • Blaue Flecken ohne erkennbare Ursache entstehen
  • Schwellungen auftreten, die sich durch Hochlagern oder Schlafen teilweise zurückbilden
  • Das Missverhältnis zwischen schlankem Oberkörper und voluminösen Beinen trotz Sport und Ernährungsumstellung bestehen bleibt

Welcher Arzt ist der richtige?

Als erste Anlaufstelle eignet sich der Hausarzt, der eine erste Einschätzung geben und bei Bedarf überweisen kann. Spezialisierte Fachärzte sind Phlebologen (Gefäß- und Lymphspezialist), Lymphologen oder Dermatologen mit Schwerpunkt Lympherkrankungen. Für eine operative Behandlung sollte ein erfahrener Facharzt für Plastische Chirurgie mit Lipödem-Spezialisierung aufgesucht werden.

Wichtig: Viele Hausärzte sind mit dem Krankheitsbild noch nicht ausreichend vertraut. Wenn die Beschwerden ernst genommen werden wollen, kann es sinnvoll sein, gezielt einen Spezialisten aufzusuchen oder sich an eine Lipödem-Selbsthilfegruppe zu wenden, die erfahrene Ärzte empfehlen kann.

Was kann man selbst gegen Lipödem tun?

Ein Lipödem lässt sich nicht heilen, aber die Symptome können durch konsequente Selbstmaßnahmen deutlich gelindert werden.

Manuelle Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massagetechnik, die den Abtransport von Gewebsflüssigkeit anregt. Sie wird besonders empfohlen, wenn sich zusätzlich zum Lipödem Flüssigkeit im Gewebe ansammelt (Ödemphase). Die Behandlung sollte von ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden und ist bei entsprechender Indikation kassenärztlich erstattungsfähig.

Bewegung

Besonders geeignet sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aqua-Jogging, Walking oder moderates Radfahren. Sport im Wasser ist ideal, da der Auftrieb den Druck auf Gelenke und Gewebe verringert. Bei Bewegung an Land empfehlen sich Kompressionsstrümpfe. Übermäßiger Muskelaufbau sollte vermieden werden – stattdessen lieber auf Ausdauer und sanfte Beweglichkeit setzen.

Ernährung

Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Empfehlenswert sind mediterrane Kost oder eine kohlenhydratreduzierte Ernährung, da stark zuckerhaltige Lebensmittel Entzündungsprozesse im Körper verstärken können. Radikale Diäten sind ungeeignet – das Ziel ist eine nachhaltige Gewichtsstabilisierung, da Gewichtszunahme die Symptome verschlimmern kann.

Hautpflege

Pflege der Haut ist bei Lipödem-Patienten besonders wichtig, vor allem bei Kompressionstherapie. Die Haut sollte regelmäßig mit pH-neutralen Produkten gereinigt und gepflegt werden, um die Hautelastizität zu unterstützen, Reizungen zu reduzieren und das Anziehen der Kompressionsstrümpfe zu erleichtern. Eine sorgfältige Hautpflege trägt zum Wohlbefinden der Betroffenen bei und stärkt das Hautgefühl trotz der Belastungen durch das Lipödem. Eine Anti-Cellulite Creme, wie die Biovolen Senfsalbe, kann außerdem dabei helfen, die Durchblutung anzuregen und das Erscheinungsbild des Lipödems etwas zu verbessern.

Wie läuft die medizinische Behandlung ab?

Die medizinische Behandlung des Lipödems verfolgt zwei Ziele: Symptomlinderung und Verlangsamung des Fortschreitens.

Kompressionstherapie

Das Tragen von Kompressionskleidung (Strümpfe, Strumpfhosen, Leggings) ist ein zentraler Bestandteil der konservativen Therapie. Sie hilft, Schwellungen zu reduzieren, den venösen Rückfluss zu unterstützen und das Fortschreiten zu verlangsamen. Ergänzend kann eine apparative intermittierende Kompression (maschinelle Drucktherapie) eingesetzt werden.

Liposuktion

Bei der Liposuktion wird das krankhaft veränderte Fettgewebe schonend abgesaugt – heute meist mittels Wasserstrahl (WAL) oder Vibrationsverfahren (PAL), die das umliegende Gewebe schonen. Studien zeigen, dass viele Patientinnen nach der Operation von dauerhafter Schmerzreduktion, besserer Mobilität und höherer Lebensqualität berichten.

Seit 2020 übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für die Liposuktion bei Lipödem Stadium III unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. BMI unter 35, mindestens sechs Monate konservative Vortherapie). In frühen Stadien müssen die Kosten bisher meist selbst getragen werden – eine einmalige Liposuktion kann rund 10.000 bis 20.000 Euro kosten, ist aber langfristig für manche Patientinnen wirtschaftlich günstiger als eine lebenslange konservative Therapie.

Fazit

Das Lipödem ist eine chronische, aber gut behandelbare Erkrankung – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt. Wer typische Anzeichen wie symmetrische Fettvermehrung, Schmerzen bei Berührung und häufige blaue Flecken bemerkt, sollte nicht warten, sondern frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Mit einer Kombination aus konservativen Maßnahmen, angepasster Ernährung, regelmäßiger Bewegung und bei Bedarf einer operativen Therapie lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern. Ein Lipödem ist kein persönliches Versagen – es ist eine Erkrankung, die professionelle Unterstützung benötigt.

QUELLEN

  • Reich-Schupke S et al. S1-Leitlinie Lipödem. J Dtsch Dermatol Ges. 2017;15(7):758–68.
  • Springer Medizin. Lymphdrainage jetzt auch bei Lipödem. MMW Fortschr Med. 2019;161(21-22):25.
  • Forner-Cordero I et al. Lipedema: An overview of its clinical manifestations, diagnosis and treatment of the disproportional fatty deposit disease. Clin Obes. 2021;11(3):e12428.
  • Herbst KL. Rare adipose disorders (RADs) masquerading as obesity. Acta Pharmacol Sin. 2012;33(2):155–72.
      Autor

      Lina Mattern

      Nach Abschluss ihres Studiums an der Hochschule Kempten hat sich Lina privat und beruflich mit Themen aus der Gesundheits-, Fitness- und Beautybranche befasst. Seitdem recherchiert und schreibt sie Blogartikel in dieser Branche und ist Expertin im Beauty- und Gesundheitsbereich. Neben dem Schreiben von aktuellen und ausführlich recherchierten Artikeln, betreut sie auch Social Media Kanäle, die sich um Tipps rund um Schönheit und Gesundheit drehen. Die Blogartikel und der Content orientieren sich dabei immer an der aktuellen Forschungslage.

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